Ratschlag, Ironie, Trost: Finger vor den Mund

Todsünden der Kommunikation #2

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Herr Müller jammert beim Chef, wieviel er zu tun hat. Alle anderen arbeiten viel weniger und vor allem schlampiger als er. Der Chef antwortet ihm: „Ja, Müller, Sie sind wirklich am schlechtesten dran von uns allen. Haben die schwierigsten Aufgaben, die meiste Verantwortung und keiner siehts!“

Ironie

Was in der gesprochenen Form schon schwierig zu erkennen ist, wird im Schriftlichen fast unmöglich. Verstellung oder Vortäuschung, wie Ironie aus dem altgriechischen zu übersetzen ist, zu erkennen.
Der Chef im obigen Beispiel meinte es ironisch. Ob der Mitarbeiter es verstanden hat, ist fraglich.
Dennoch verwenden wir sehr häufig einen ironischen Tonfall oder eine, die tatsächliche Meinung verschleiernde Wortwahl.
Und immer gehen wir davon aus, dass der andere es versteht. Der Mitarbeiter oben im Beispiel hat auch verstanden. Die Frage ist nur, ob wirklich das, was der Chef ihm sagen wollte!?

Ironie ist Machtdemonstration

Die Wenigsten fragen in einer unklaren Situation allerdings nach, wie die Aussage tatsächlich gemeint ist. Sie haben das Gefühl, sich als unwissend darzustellen, klein zu machen oder gar für blöd gehalten zu werden. Daher lassen sie es lieber mit dem Nachfragen und denken sich das, was es ihrer Meinung nach aussagt. Hallo Missverständnis.
Das Missverständnis ist ein nicht zu verachtendes Problem. Lösbar durch die Vermeidung von Ironie oder entsprechend übertriebene Betonung, Gestik und Mimik.
Viel schlimmer ist die damit einhergehende Machtdemonstration. Am Ende einer ironischen Kommunikation steht meist der Sender, also der Sprecher, „top“ da und der Empfänger, der Zuhörer, deutlich kleiner, schwächer. Denn in jeder Ironie ist immer eine Form der Wertung versteckt. Entweder merkt sie der Empfänger und kann sie tatsächlich „übersetzen“ oder eben nicht. Beides ist gleich unangenehm. Denn eine Bewertung darf sich in der Regel nur erlauben, wer danach gefragt wurde oder in der Rangordnung über einem steht. Und selbst hier gibt es mittlerweile bereits die ersten Fragezeichen.

Machtausübung verhindert wirkungsvolle Kommunikation

Klar ist, dass es für niemanden ein Spaß ist, nicht ernst genommen zu werden. Das löst sehr unschöne Gefühle aus. Diese wiederum sind mehr als hinderlich für eine sachliche und wirkungsvolle Kommunikation. Wenn sich einer der Gesprächspartner zurückgesetzt, kleiner als der andere fühlt, redet er anders. Nutzt andere Worte. Verändert Haltung, Gestik, Mimik und Tonfall. Oder bricht das Gespräch gar ganz ab. Die Kommunikation stirbt. Entweder mit oder gänzlich ohne vorherige Auseinandersetzung.

Ironisch darf mal sein

Es gibt Menschen, die können und wollen nicht auf Ironie verzichten. Das „Warum“ oder „Wozu“ konnte mir bislang keiner von ihnen erklären. Ironie kann funktionieren. Unter Gleichen. Also,

  • gleiches Umfeld,
  • gleicher Background,
  • gleiches Verständnis,
  • gleicher Status.

Selbst da haben Sie jedoch nie die Gewissheit, dass Ihr Wort, Ihr Inhalt so ankommt, wie es gemeint war. Unter Umständen machen Sie mehr kaputt, als Sie gewinnen können. Todsünde eben.
Wenn Sie Kinder haben, gibt es KEINE Ausnahme! Ironie ist hier gänzlich fehl am Platze. Frühestens ab 9 Jahre können Kinder diese versteckten Botschaften entschlüsseln. Dann aber auch nur mit Ihrer Hilfe. Bleiben Sie also aufmerksam. Und sprechen Sie am besten Erwartungen, Wünsche direkt aus. Nutzen Sie dafür die „positive“ Sprache. Klare Kommunikation. Vermeiden also Worte wie Nicht, Kein, Ohne, Nie usw. Wenn Sie ihn noch nicht gelesen haben, dann klicken Sie hier.

Finden Sie Alternativen

Auch ohne Ironie lässt sich Spaß haben. Ja, es ist schwierig. Aber machbar.
Und nein, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Dafür müssen Sie – genau wie ich – etwas tun. Regelmäßig.
Wenn Sie merken, dass Ihnen doch eine ironische Bemerkung entwischt ist, dann enttarnen Sie sie. So begrenzen Sie den (möglicherweise entstehenden) Schaden einigermaßen. Vor allem in Texten, also Geschriebenem, sollten Sie jedoch vollständig darauf verzichten. Es ist einfach nicht erkennbar.
Am besten ist natürlich, komplett auf dieses Machtinstrument zu verzichten und sich auf wertschätzende Kommunikation zu verlegen. Keine Angst, das ist nicht langweilig. Eher im Gegenteil. Es macht riesigen Spaß und Sie erfahren enorm viel über Ihren Gegenüber. Und sich selbst.

Und nun sind Sie dran!

In welchen Situationen nutzen Sie Ironie?
Gibt es Personen, die diese Todsünde immer wieder bei Ihnen hervorrufen?
Wie reagieren Sie, wenn andere ironisch mit Ihnen sprechen?

Ich freue mich sehr auf Ihre Erfahrungen. Gern in den Kommentaren oder als Email.

Wenn es Ihnen gefallen hat, dann Teilen, Liken, Kommentieren Sie.

Bleiben Sie klar in Ihrer Kommunikation.

Halten Sie den Blick offen. Für Ihren Einblick > Durchblick > Ausblick.

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