Wie aus Jobfrust wieder Joblust wird

Völlig erledigt packt er seine Sachen.
Was für ein Tag.
Schon heute Morgen war irgendwie der Wurm drin. Seine Frau warf Thomas vor, dass er sich überhaupt nicht für sie und die Kinder interessiert. Er wäre nie zu Hause. Alles hängt an ihr.
Da war es noch nicht mal sieben. 
Auf dem Weg ins Büro dann die nächste Hiobsbotschaft. Die Lieferanten kommen schon um 8 Uhr statt um 9. Fehler in der Abstimmung. Das bedeutete, dass er noch höchstens 30 Minuten hat, um den Termin vorzubereiten. Wenn nichts dazwischen kommt.
Und prompt staute es sich.
Er kam zwar pünktlich – gerade so, aber der Termin lief völlig aus dem Ruder und er hatte zu tun, dass es nicht vollständig eskalierte. Sein Chef war dabei nicht unbedingt eine Hilfe. Eher im Gegenteil. Er machte es mit seinem Gefasel und den unklaren Aussagen noch viel schlimmer. Dann zitierte er Thomas auch noch zu sich. Beschwerte sich über sein unprofessionelles Vorgehen und fragte ihn tatsächlich, was gerade mit ihm los war.
Das war wirklich das Allerletzte.

Land unter

Seit Wochen, ach Monaten, gehts drunter und drüber. Heute Hü, morgen Hott. Keiner trifft eine Entscheidung. Und wenn, dann so spät, dass eigentlich nur noch Schadensbegrenzung betrieben werden kann. Und natürlich sind all diese Termine immer erst ab 17 oder 18 Uhr angesetzt. Denn immer kurz vor Feierabend fällt den Herrschaften ein, dass noch etwas fehlt, etwas unklar ist oder nochmal kurz die Welt gerettet werden muss.
Er weiß schon nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Seine Kinder hat er schon eine ganze Weile nicht mehr unter der Woche gesehen. Das gemeinsame Abendessen verpasst er regelmäßig und wenn er heimkommt schlafen die Kinder oft schon. Seine Frau ist entsprechend gelaunt. Denn selbst zu Hause sitzt er oft  noch am Rechner. Holt das nach, was liegen geblieben ist. Beantwortet die vielen Mails, zu denen er dank all der Termine tagsüber nicht gekommen ist. Bereitet Präsentationen für den nächsten Tag vor – Besprechungen, Strategien, Begründungen und Entscheidungsvorlagen für die Chefetage.

 

Das Ziel

Auf dem Weg nach Hause nach diesem ätzenden Tag fragt sich Thomas, ob das jetzt alles war.
Jeden Morgen quält er sich aus dem Bett. Verlässt vor seiner Familie das Haus und kommt spät abends zurück. Für einen Job, der wirklich mal so richtig Spaß gemacht hat. Der ihn mal erfüllt hat. Ja. Früher. Bis vielleicht vor fünf, sechs Monaten. Aber aktuell? Aktuell ist es nur noch nervig. Anstrengend. Frustrierend. Zu Anfang hat er gedacht, es ist nur die Umstellung. Eine Phase. Er müsste sich erst an die neue Struktur gewöhnen. Aber so lange? Er fühlt sich wie ein Anfänger. Dabei kann das doch wirklich nicht so schwer sein. Er ist doch nicht blöd. Oder? Nach dem Gespräch mit dem Chef heute ist er sich da nicht mehr so sicher.
Und dann ist da noch seine Frau, seine Familie. Die Freunde, die er schon echt ewig nicht mehr gesehen hat. Ja, da sind viele dabei, die lieber Feiern gehen und ihr Junggesellen-Dasein geniessen. Da passt er nicht mehr rein. Trotzdem vermisst er die Gespräche. Diese Ungezwungenheit. Setzt er da gerade nicht ziemlich viel aufs Spiel? Und prompt poppt die Frage bei Thomas auf: Ist es das wert?
Er beschließt, das herauszufinden. Er will sich endlich wieder wohlfühlen. Er will endlich wieder mit Spaß zur Arbeit gehen, Zeit mit seinen Lieben verbringen und dabei auch wirklich Freude haben. Er möchte einfach wieder entspannt sein. Ja, genau das möchte er!

Und er macht sich einen Plan.

Die 5 Schritte

1. Was ist mir wirklich wichtig in meinem Leben? Was brauche ich zwingend, um mich wohl und zufrieden zu fühlen?
2. Worauf kann und will ich lieber verzichten? Welche Dinge, Menschen und Tätigkeiten finde ich anstrengend und überflüssig?
3. Was bedeutet das für meinen Tagesablauf? Wie kann ich das mir WICHTIGE in mein Leben integrieren? Wie werde ich alles überflüssige los?
4. Was oder wen brauche ich für eine möglichst schnelle und reibungslose Umsetzung?
5. Bis wann gebe ich mir Zeit dafür?

Als er heim kommt erzählt er seiner Frau davon. Sie ist argwöhnisch. Natürlich. Schließlich kennt sie ihn schon ein paar Jahre. Seine Arbeit ging immer vor. War immer wichtiger als alles andere. Er ist ein Perfektionist. Will niemanden vergraulen. Und er braucht das Lob und die Anerkennung aus seinen Projekten.
Aber sie freut sich auch sehr. Denn vielleicht… vielleicht ändert sich ja wirklich was und sie bekommt ihren Mann mal wieder häufiger zu Gesicht. Nicht den zerstreuten, fahrigen. Den hektischen, schlecht gelaunten. Und auch nicht den geistig abwesenden, unausgeschlafenen. Nein, sie wünscht sich den entspannten und liebevollen zurück. Den ausgeglichenen, zufriedenen. Den lustigen, mit dem auch ernste Diskussionen möglich sind. Denn den vermisst sie schon eine ganze Weile. Vielleicht hat ihre Ehe ja doch eine Chance…

Du kannst einen Bereich Deines Lebens ignorieren, wenn er gerade gut läuft. Damit riskierst Du jedoch den Verlust. Nicht sofort. Aber schleichend und oft unbemerkt. Während Du noch denkst, es ist alles in Ordnung, ist es das in der Realität und aus Sicht der anderen ganz und gar nicht mehr. Du solltest also besser alle Bereiche im Blick haben. Denn sie gehören zu Dir und Deinem Leben. Alle. Immer.

Oder wie siehst Du das?

Deine Meinung interessiert mich. Lass gern einen Kommentar da.

Ich freue mich übers Teilen, Sharen, Liken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü